Die Nebel von Morgenend
Dies ist eine Geschichte, die sich vor Hunderten von Jahren, als das große Reich noch existierte, ereignete. Damals gab es ein kleines Dorf weit im Westen, in den dunklen Wäldern der Nebelberge. Die Menschen dort waren Bauern und Handwerker. Sie waren vor einigen Jahrzehnten dort hingekommen, um die Wälder zu roden und das Land zu bestellen. Aber die Natur war wild und der Wald war voller Dunkelheit. Die Kinder durften nicht weiter als bis zu einem Holzpfahl aus dem Dorf hinaus. Wenn die Männer morgens aus dem Dorf in den Wald gingen, weinten die Frauen noch lange nachdem der letzte von ihnen im dichten Nebel verschwand.
Eines Tages als die Männer aus dem Wald zurück kamen, weinten die Männer und als die Frauen ihnen entgegen kamen, sagten sie, dass einer ihrer Kameraden in den Nebel gezogen wurden war.
Es war Grimmon. Die Männer sagten, sie haben ihn schreien gehört, doch konnten sie ihn nicht finden. Sie hörten Tausende von wirren Stimmen, die aus dem Nebel kamen, und nach ihnen riefen. Sie wollten, dass dieMänner in den Nebel kommen, doch die Männer hatten Angst und flohen ins Dorf zurück.
Diese Nacht schlief keiner der Dorfbewohner. Und die Männer standen mit Fackeln um das Dorf herum und bliesen in ihre Hörner, um die bösen Geister zu vertreiben. In der Mitte des Dorfes hatten die Bewohner ein großes Feuer angezündet, um Grimmon zu zeigen, wo er hingehen soll, doch er kam nicht. Am nächsten Tag trauerten die Bewohner immer noch und ließen die Arbeit ruhen.
Doch schon am folgenden Tag mussten die Männer wieder in den Wald und die Frauen das Essen zubereiten, denn die Kinder hatten Hunger.
Grimmons Sohn Gilba war elf Sommer alt. Er begriff nicht, was geschehen war. Er glaubte der Erklärung seiner Mutter, die sie ihm unter Tränen geben hatte.
Er glaubte, dass sein Vater im Wald arbeiten musste und er erst zurück kommen würde, wenn er fertig wäre.
So stand Gilba jeden Tag am Holzpfahl und hielt Ausschau nach seinem Vater. Doch Grimmon kam nicht. Doch in den Nächten hörte Gilba das Hämmern einer Axt und das
Knacken umfallender Bäume. Dann wusste er, dass sein Vater da draußen war und arbeitete.
Doch eines Nacht hörte Gilba nicht das Hämmern und Krachen. Er vernahm seines Vaters Stimme. Er rief nach ihm und flehte nach Hilfe. Gilba könnte diese Nacht nicht schlafen. Er stellte sich seinen Vater vor, wie er gerade arbeiten würde. Doch er konnte nicht schlafen. Die Stimme kam von draußen, vom Wald.
Irgendwann, als der Mond schon weit über dem Dorf stand, kroch Gilba aus seinem Schlafsack und ging vor die Tür. Als er rüber zum Zaunpfahl
schaute, nahm er eine Gestalt war. Es war sein Vater, der nach ihm rief und seine Arme nach ihm ausstreckte. Gilba war überglücklich seinen Vater wieder zu sehen und lief zu ihm. Doch Grimmon verschwand im Nebel und nur seine Rufe leiteten Gilba durch den dunklen Wald. Er rannte der Stimme nach und als bald war er vom Weg abgekommen und irrte durch den dunklen Wald.
Der Wald war feucht und neblig. Der Nebel hing in dichten Schwaden um die Bäume und auf dem Boden. Gilba war erschöpft und rief nach seinem Vater, doch dieser antwortete nicht mehr. Es war still im Wald. Und Gilba stand still tief im dunklen Wald. Sein Atem brachte neuen Nebel hervor. Schon bald hörte er nicht mal mehr sein Atem. Es war voll kommen still im Wald. Und Gilba war allein.
Als er lange in den Nebel geschaut hatte, bemerkte er auf einmal, dass der Nebel sich bewegte. Nicht regelmäßig, sondern in Formen. Er sah Arme rudern, wie als würden Menschen durch den Nebel rennen. Wie als wenn dort Menschen den Nebel aufwirbelten. Doch schon bald begriff er, dass dort keine Menschen waren, sondern es der Nebel war, der sich bewegte. Gestalten aus Nebel zogen an ihm vorüber und tanzten wild um ihn herum. Dann sah er ihre Gesichter, die an ihm vorbei huschten und ihn ansahen. Dann bemerkte er das Geräusch, dass schon die ganze Zeit seinen Geist durchflutete. Stimmen! Sie sagten ihm warum. Warum sein Vater. Warum er. Doch Gilba verstand nicht und wollte weglaufen. Doch sie hielten ihn fest. Sie zogen ihn und flüsterten zu Tausenden in seinen Geist und lockten ihn. Gilba schrie. Er schrie nach seinem Vater, versuchte sich loszureißen und trat in den Nebel. Und plötzlich kam er los und fiel auf den weichen Böden des Waldes. Als er los rennen wollte, bemerkte er die Gestalt vor ihm.
Es war keine Nebelgestalt, sondern eine Gestalt aus Fleisch und Blut. Es war sein Vater. Als Gilba sich an ihn klammerte, hörten die Stimmen auf nach ihm zu rufen. Und es war still. Darauf gingen Gilba und sein Vater in den Nebel.
Und Gilba war nicht mehr traurig.
Seitdem bleiben die Türen in Morgenend nachts verriegelt .....
Eine Legende aus Erédia

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